|
Schöppingen - Jeder einzelne Raum birgt eine eigne Sparte. Im ersten erstrecken sich schier endlose Schaltpulte mit unzähligen Knöpfen und Reglern. Im nächsten flimmern Filmszenen über nebeneinander geschaltete Bildschirme. Digitale Schnittplätze und ein Kamerapark für Videoproduktionen sind ebenso vorhanden wie Ausrüstung und Knowhow für Fotoprojekte oder die beiden Tonstudios für Musikproduktionen. Damit nicht genug: Ist eines der Studios gar bestückt mit einem 80-Quadratmeter-Aufnahmeraum mitsamt 16 Quadratmeter großer Schlagzeugkabine.
Klingt Multimedia in Werbung und Medien oft irgendwie abstrakt, wird der Begriff leb- und erlebbar im Reich von Thomas Waßkönig. Der Mann, der Jahrzehnte als Berufsmusiker seine Brötchen verdiente, zum Beispiel als Keyboarder der Band Grobschnitt, ist zum Tausendsassa geworden. Einem, der alles kann, alles bietet, aus einer Hand. „Flexibel“, lacht seine Frau Angelika, „das war er schon immer. Fragt man ihn: backst du auch Brötchen?, dann sagt er: klar, ich kauf nur eben ne Brotbackmaschine.“
Und das ist vielleicht das Erfolgsrezept der Birdland-Studios, die das Paar Waßkönig vergangnen August in Schöppingen eröffnet hat. Vorher habe er alles im eigenen Haus gehabt, erzählt der Fachmann, irgendwann sei das zu eng geworden und die Auftragslage zu üppig. „Da hab ich mir gedacht: Jetzt noch mal alles in groß.“ Indes: Begriffe wie Krise und Flaute sind Waßkönig nicht fremd, auch seine Kunden drehen derzeit den Euro zweimal um. „Da muss man breit aufgestellt sein,“ ist der 54-Jährige überzeugt.
Warums dem gebürtigen Hamburger, der Jahre beruflich in Hagen verankert war, gerade der Kreis Borken nahe der niederländischen Grenze angetan hat? „Na, wir haben Enschede in der Nähe mit der Universität und die Musikschule Heek, da kommen Studenten und nutzen unseren Aufnahmebereich“, zählt Angelika Waßkönig auf. Auch die beiden Schnittplätze auf Zeit zu vermieten, sei denkbar, wenn die Möglichkeiten, etwa in münsterschen Studios, mal ausgelastet sind. Was im Moment richtig gut läuft, verrät der Chef selber. „Der Grafik- und Werbungsbereich, für Print, aber auch fürs Internet“, sagt er und zeigt in ein Zimmer, wo Mediengestalter Johannes Veelken und Dietmar Wiegand, seines Zeichens freier Mitarbeiter, gerade dabei sind, das Design für eine neue Internetseite zu entwerfen. „Gucken Sie mal“, sagt Letzterer und zeigt auf den „packshot creator 3D“, ja, so heißt das Ding wirklich, „das ist die Waschmaschine für Junggesellen.“ Und tatsächlich sieht das Aufnahmegerät für Produktionsfotos und -animationen ein bisschen so aus. Ob Layouts, das Design für Inernet- oder Printauftritte: Birdland-Kunden bekommen alles aus einer, Waßkönigs Hand, nämlich: „Die gehen durch diese Tür und haben alle Bereiche unter einem Dach, das spart Zeit und: Wir fahren eine Strategie, stimmen die einzelnen Sparten aufeinander ab, dann wirkt das Ergebnis wie aus einem Guss.“
Waßkönigs nächster GroßAuftrag allerdings bedient eine ganz andere Sparte: Musiker aus Hamburg, die in seinem Studio etwas aufnehmen wollen. Und auch, wenn er selbst das nicht so ausdrücklich sagt: Sein Herz hängt an der Musik. Wegen jener Zeiten Mitte der 80er etwa, da Schlagergrößen wie Bernhard Brink zu ihm ins Tonstudio kamen - damals noch in Hagen, um alte Hits noch mal einzuspielen. Wegen jener Zeiten auch, da er selbst auf der Bühne stand und von denen jede Menge Fotos künden, die die Flurwände der Birdland-Studios zieren. „Aber dafür“, winkt Mister Multimedia lässig ab und macht eine ausholende Bewegung, die jeden seiner Studio-Wirkungsräume umfasst, „hätte ich jetzt echt die Zeit nicht mehr.“
VON JULIA GOTTSCHICK, MÜNSTER
|