Der Herr der Regler
08. Februar 2012

An seinem Mischpult mit den unzähligen Knöpfen und Reglern ist Waßkönig in seinem Element.Schöppingen. Irgendwann war „Tarzan“ das Tour-Leben leid. Mit der Band Grobschnitt war er oft 50 bis 60 Tage auf Tournee. Dann kamen Vorbereitungen und Proben für die neue Platte, schließlich die Zeit im Studio. „Wirklich zu Hause, im Kopf, war man dann vielleicht fünf Tage im Jahr“, sagt Thomas Waßkönig. 1985 ist er bei Grobschnitt als Keyboarder eingestiegen und firmierte in der Band unter dem Spitznamen Tarzan.

An der Diepenheimstraße in Schöppingen steht eine neue, blaugraue Halle. Der von außen nüchtern wirkende Zweckbau entpuppt sich in seinem Inneren als multifunktionales Studio voller Technik: Bildbearbeitung, Filmproduktion von den Aufnahmen über den Schnitt bis zur Nachvertonung, ein großes Tonstudio mit einem Aufnahmeraum, in dem auch eine ganze Kapelle Platz findet. In den Fluren zwischen den Arbeitsräumen hängen Fotos an der Wand und zwei Goldene Schallplatten. Die Bilder zeigen Waßkönig auf diversen Bühnen hinter seiner Keyboard-Burg. Die Goldenen Schallplatten hat er als Produzent bekommen.


Beim Tag der offenen Tür lässt er sich demnächst auch bei seiner Arbeit am Videoschnittplatz über die Schulter schauen.Fotos: -fz-Schon während seiner Zeit bei Grobschnitt hat der gebürtige Hamburger als Produzent gearbeitet. Das Album „Fantasten“ hat er gemeinsam mit der Band produziert, war Aufnahmeleiter und hat auch das Abmischen erledigt. So lag es für Waßkönig, der inzwischen auch Ehemann und Vater war, dem umtriebigen Bandleben Lebewohl zu sagen. Stattdessen gründete er in Hagen sein erstes eigenes Tonstudio: die Birdland-Sound Studios. Größen aus der Schlagerszene – Waßkönig nennt zum Beispiel Drafi Deutscher und Bernhard Brink – gaben sich hier ebenso die Klinke in die Hand wie Vertreter der Neuen Deutschen Welle (NDW). „Ich habe viel mit den ,Breiten‘ gearbeitet“, erzählt er. Die „Breiten“, das ist die NDW-Band Extrabreit. „Wir haben ständig irgendwelche verrückten Projekte gemacht und wollten immer reich und berühmt werden“, sagt der inzwischen 54-Jährige. Reich und berühmt seien sie dann doch nicht geworden, aber die Arbeit habe immer großen Spaß gemacht. „Rund 2000 seiner Songs seien wohl veröffentlicht worden“, überschlägt er mit Blick auf seine Tätigkeit als Komponist.

Begonnen hat die Karriere Waßkönigs schon in den 1970er-Jahren. In seiner Heimatstadt Hamburg war die „Hamburger Szene“ angesiedelt, und er war mitten drin. Bei einer Schülerband hat er gespielt, gejazzt und als Studiomusiker gearbeitet. Nach einer Nacht im Studio fragten ihn die Mitglieder der Pee Wee Bluesgang, ob er nicht bei ihnen als Keyboarder einsteigen wolle. „Also bin ich in ein Auto gestiegen und mit der Band nach Iserlohn gefahren. Von da aus habe ich meine Eltern angerufen und sie gebeten, meine Wohnung in Hamburg aufzulösen“, erinnert Waßkönig sich mit einer Mischung aus Schmunzeln und Kopfschütteln.In Schöppingen ist er mit seiner Familie seit 1996 beheimatet. Großräumig hatte er eine Immobilie gesucht, bei der er sein Studio im Keller einrichten konnte. Auf dem Krümmlingsweg ist er fündig geworden. Hier spezialisierte der Autodidakt sich auf die Bearbeitung von DVDs. Im Audiobereich hatten Veränderungen – Wechsel von Analog- auf Digital-Technik – ohnehin gerade eine Flaute ausgelöst. Da kam dem Multi-Talent zugute, dass er sich während seiner Zeit als Tontechniker immer auch für die Arbeit seiner Kollegen interessiert hatte. Bei Kameraleuten und Cuttern konnte er sich so einiges abschauen. Seine Tonstudios lagerte er ein und arbeitete jetzt abseits des Rampenlichts. Auch in Schöppingen wusste kaum jemand, was Waßkönig da in seinem Keller so fabrizierte.

Mit seinem neuen Studio will er nun aber nochmal stärker an die Öffentlichkeit treten. Mit seiner technischen Ausstattung, seiner kreativen Energie und seiner Begeisterung könnte ihm noch ein ganz großer Wurf gelingen. Am Videoschnittplatz stehen acht Bildschirme, ein gutes Dutzend Rekorder und unzählige Lautsprecher. „AVID-Standard“, sagt Waßkönig und weiß sich damit technisch ganz weit vorne. Auch sein Tonstudio macht ihn sichtbar stolz. Der große Aufnahmeraum verfügt über eine separate Kabine für Schlagzeuger. Für den perfekten Sound ist die komplett gekachelt. Diesen Sound kann Waßkönig mit seinem guten Ohr und seiner ADT-Konsole optimal abmischen. Seine Dienste will er Profi-Musikern ebenso anbieten wie der Feuerwehrkapelle oder der Schülerband. Schließlich hat er selber mal klein angefangen.

Verstärkt will er auch kleine und mittelständische Unternehmer als Kunden gewinnen und den Bereich Wirtschaftsfilm „erobern“. Sein Konzept: Von der Produktfotografie über Firmenporträts und Messefilme bis hin zum Internet-Auftritt kann er alles aus einer Hand anbieten. Dank seiner starken Vernetzung in Schöppingen, aber auch weit über die Grenzen der Vechtegemeinde hinaus, habe er für jeden Auftrag die richtigen Leute an der Hand, ist er überzeugt. Dabei setzt er ebenso auf neue Technik – ein „Packshot“ für die Produktfotografie gehört zu seinen neusten Anschaffungen – wie auf seine langjährige Erfahrung.

Wer Waßkönig in seinem Studio besucht und das Leuchten und die Vorfreude in seinen Augen sieht, der kann sich gut vorstellen, dass er jetzt noch mal richtig durchstartet. Damit sich auch die Schöppinger davon überzeugen können, will er sein Studio bald an einem Tag der offenen Tür allen Interessierten vorstellen.

VON FRANK ZIMMERMANN, GRONAU